Notlagentarif der privaten Krankenversicherung
Kosten und Leistungen im PKV Notlagentarif

PKV Notlagentarif für Privatversicherte mit Zahlungsschwierigkeiten

Geringer Leistungsumfang und geringe Beitragskosten

Notlagentarif der privaten Krankenversicherung = Notlösung

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Notlagentarif der privaten Krankenversicherung ist ein Tarif für Privatversicherte, die ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können.
  • Der Tarif soll Versicherten dabei helfen, Beitragsschulden rasch zu begleichen.
  • Da der PKV Notlagentarif nur die nötigsten Leistungen bietet, fällt der Beitrag sehr gering aus.

Der Notlagentarif der privaten Krankenversicherung

Mit dem Notlagentarif stellt die private Krankenversicherung einen Sozialtarif zur Verfügung. Dieser richtet sich an Privatversicherte, die ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. Der 2013 eingeführte Tarif ist somit nicht frei wählbar. Denn er steht nur Verbrauchern offen, die Schulden bei ihrer Krankenversicherung haben. Auch gilt der Notlagentarif nur in Ausnahmesituationen. Denn Ziel ist, den Betroffenen einen besonders günstigen Versicherungsschutz zu ermöglichen, bis sie ihre Beitragsschuld komplett beglichen haben.

Mit Einführung der allgemeinen Versicherungspflicht war es Verbrauchern nicht mehr möglich, ihre private Krankenversicherung zu kündigen. Bei finanziellen Engpässen wurden sie in den Basistarif eingestuft. Doch sind auch mit diesem teils hohe Beiträge verbunden. Dies führte dazu, dass der Schuldenberg wuchs, wenn die Versicherten ihre Prämien nicht mehr zahlen konnten. Dadurch war die Einführung des Notlagentarifs notwendig geworden, um die Betroffenen finanziell zu entlasten.

Der Notlagentarif ist eine Lösung in Ausnahmefällen. Daher verzeichnete der Tarif 2018 auch „nur“ 102.200 Versicherte. Zum Vergleich: Ende 2018 waren rund 8,7 Millionen Menschen privat krankenversichert.

Versicherte im Notlagentarif
Privatversicherte im Notlagentarif über die letzten Jahre | Quelle: www.pkv.de

Wie erfolgt die Einstufung in den Notlagentarif der PKV?

Die private Krankenversicherung sieht für den Notlagentarif ein Mahnsystem vor. Erst wenn die Versicherten entsprechend angemahnt wurden und die Beiträge nach wie vor rückständig sind, kommt der Tarif zum Tragen. Dabei stuft die Gesellschaft die Betroffenen automatisch ein.

  1. Erste Mahnung

Sind die Versicherten zwei Monatsbeiträge im Rückstand, erhalten sie die erste Mahnung. Zusätzlich verlangt die Gesellschaft einen Säumniszuschlag von einem Prozent des Rückstands und eine Mahngebühr.

  1. Zweite Mahnung

Sind die Versicherten zwei Monate nach der ersten Mahnung mit mindestens einem Beitrag im Rückstand, erfolgt die zweite Mahnung. Diese enthält eine Information, dass der Vertrag ruhend gestellt wird. Die Versicherten können ihre Beitragsschuld innerhalb des nächsten Monats begleichen.

  1. Umstellung in den Notlagentarif

Kommen die Versicherten der zweiten Mahnung nicht nach, erfolgt die Umstellung in den Notlagentarif. Die Einstufung wird nach Ablauf der Frist mit Beginn zum nächsten Monat vorgenommen. Der bisherige Tarif ruht, somit auch alle damit verbundenen Ansprüche.

Diese Leistungen bietet der PKV Notlagentarif

Die Leistungen des PKV Notlagentarifs sind stark beschränkt. So sieht er lediglich den nötigsten Leistungsumfang vor:

  • Erstattet werden die Kosten für medizinische Behandlungen von akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen.
  • Leistungen, die bei Schwangerschaft und Mutterschaft notwendig
  • Für Kinder und Jugendliche werden medizinische Heilbehandlungen wegen Krankheit und Unfallfolgen, sowie Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen übernommen.

Weitere Einschränkungen

Ambulante Leistungen Behandlung nur durch Kassenärzte und maximal bis zum 1,8-fachen Satz der GOÄ
Stationäre Leistungen Allgemeine Krankenhausleistungen im nächstgelegenen und für die Behandlung geeigneten Krankenhaus
Zahnärztliche Leistungen Behandlung nur durch Kassenärzte und maximal bis zum 2,0-fachen Satz der GOZ

Das kostet der Notlagentarif der privaten Krankenversicherung

Jede Gesellschaft kalkuliert die Kosten für den Notlagentarif selbst. Zudem können bis zu 25 Prozent der bereits gebildeten Altersrückstellungen zur Beitragssenkung genutzt werden. Somit belaufen sich die Kosten auf etwa 100 bis 125 Euro monatlich.

Im Notlagentarif gibt es keine Zuschläge, wie beispielsweise bei Vorerkrankungen. Auch entfallen Selbstbehalte. Altersrückstellungen werden keine gebildet. Da die bereits vorhandenen Rückstellungen allerdings aufgebraucht werden, sollten die Versicherten eine schnelle Rückkehr in den Normaltarif anstreben.

Der PKV Notlagentarif ist deutlich günstiger als der Basis- oder Standardtarif. Doch darf nicht vergessen werden, dass die Leistungen auch weit darunterliegen. Der ermäßigte Beitrag soll nicht zur dauerhaften Absicherung in diesem Tarif motivieren. Sondern die Möglichkeit bieten, Rückstände schnell zurückzubezahlen, um zu dem bisherigen Versicherungsschutz zurückzukehren.

Während des Notlagentarifs berechnet die Gesellschaft weiterhin Säumniszuschläge. Diese belaufen sich auf ein Prozent der offenen Forderung.

Rückkehr zum bisherigen Versicherungsschutz

Der Vorteil des Notlagentarifs der privaten Krankenversicherung ist, dass die Versicherten in ihren bisherigen Tarif zurückkehren können. Und zwar ohne Einschränkungen.

Die Rückkehr ist vorgesehen, wenn alle Forderungen beglichen sind. Dazu gehören die offenen Beiträge, Säumniszuschläge, Mahnkosten und unter Umständen auch Gerichtskosten. Sobald die Schulden zurückbezahlt wurden, kann der Versicherte seinen bisherigen Versicherungsschutz wieder aufnehmen. Die Umstellung erfolgt automatisch zum ersten Tag des übernächsten Monats.

Möglicherweise fällt der Beitrag nach Rückkehr in den alten Tarif höher aus. Denn während des Notlagentarifs wurden vorhandene Altersrückstellungen anteilig aufgebraucht. Auch kann es zwischenzeitlich zu Beitragsanpassungen gekommen sein.

Der Notlagentarif endet auch dann, wenn Versicherte hilfebedürftig im Sinne des Gesetzes werden. Also Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung beziehen. Denn dann endet die gesetzliche Vertragsruhe. Betroffene können in den Basistarif wechseln und aufgrund ihrer Hilfsbedürftigkeit einen Antrag zur Unterstützung stellen. Sie müssen dann lediglich die Hälfte des Höchstbeitrags für den Basistarif bezahlen.

Vor- und Nachteile des Notlagentarifs

Vorteile

  • Der Beitrag ist sehr gering
  • Versicherte haben die Chance, aufgrund es niedrigen Beitrags ihre Schulden zu begleichen
  • Die Anhäufung weiterer Schulden lässt sich vermeiden
  • Der bisherige Tarif kann nach der Rückzahlung wieder aufgenommen werden
  • Kinder und Jugendliche sind besonders schutzbedürftig und erhalten bessere Leistungen

Nachteile

  • Die Leistungen des PKV Notlagentarifs sind auf ein Minimum reduziert
  • Vorhandene Altersrückstellungen werden anteilig verrechnet, wodurch der reguläre Beitrag für die PKV steigt
  • Nicht jeder Privatarzt behandelt Versicherte im Notlagentarif
  • Im Krankheitsfall ist ein hoher Eigenbeitrag möglich, da viele Leistungen nicht versichert sind

Für wen ist der PKV Notlagentarif sinnvoll?

Grundsätzlich ist der Notlagentarif der privaten Krankenversicherung eine sinnvolle Option. Denn er hilft Privatversicherten mit finanziellen Schwierigkeiten, ihre Schulden abzubauen. Außerdem sorgt der Tarif in gewissem Maße dafür, dass sich die Forderungen nicht weiter anhäufen. Lediglich die Versäumniszuschläge fallen weiterhin an. Allerdings keine Beiträge für Volltarife.

Doch geht der PKV Notlagentarif mit deutlich reduzierten Leistungen einher. Daher ist dieser Tarif, gemäß seiner Bezeichnung, nur für Notlagen vorgesehen. Und auch nur dafür geeignet. Betroffene sollten in jedem Fall schnellstmöglich ihre Schulden begleichen, um den bisherigen Versicherungsschutz wieder aufnehmen zu können. Denn mit jedem Monat erhöhen sich die Säumniszuschläge und die Altersrückstellungen werden gemindert. Hinzu kommen die geringen Leistungen, die im Krankheitsfall zu hohen Eigenanteilen führen können.

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