Das Wichtigste in Kürze
- Den Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen Sie bei der Deutschen Rentenversicherung – online, schriftlich oder mit Hilfe der Beratungsstellen.
- Versicherte müssen die Wartezeit von 5 Jahren erfüllen und in den letzten 5 Jahren 3 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben.
- Medizinisch zählt, wie viele Stunden Sie noch arbeiten können: unter 3 Stunden volle, 3 bis unter 6 Stunden teilweise Erwerbsminderung.
- Entscheidend sind vollständige ärztliche Nachweise; rund 44 % der Anträge werden zunächst abgelehnt – dagegen hilft der Widerspruch.
Voraussetzungen für die Erwerbsminderungsrente
Bevor Sie die Erwerbsminderungsrente beantragen, sollten Sie prüfen, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen. Die Deutsche Rentenversicherung verlangt zwei Dinge: erfüllte Versicherungszeiten und eine ärztlich belegte Erwerbsminderung.
| Voraussetzung | Was gefordert ist |
|---|---|
| Wartezeit | mindestens 5 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung (allgemeine Wartezeit) |
| Pflichtbeiträge | in den letzten 5 Jahren vor der Erwerbsminderung 3 Jahre Pflichtbeiträge |
| Medizinisch | weniger als 6 Stunden tägliche Leistungsfähigkeit – trotz Behandlung und Reha |
| Alter | die Regelaltersgrenze ist noch nicht erreicht |
Wichtig: Versicherte, die früh erkranken, profitieren von Sonderregelungen, sodass die Beitragszeiten unter Umständen leichter erfüllt sind. Lassen Sie Ihren Versicherungsverlauf im Zweifel von der Rentenversicherung prüfen.
Volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente
Wie hoch die Rente ausfällt, hängt vom verbliebenen Leistungsvermögen ab. Maßgeblich ist, wie viele Stunden Sie unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes noch arbeiten können – unabhängig vom zuletzt ausgeübten Beruf.
Wer nur noch teilweise erwerbsgemindert ist, aber keinen passenden Teilzeitarbeitsplatz findet, erhält wegen des verschlossenen Arbeitsmarktes häufig dennoch die volle Rente (sogenannte Arbeitsmarktrente). Mehr Details finden Sie auf unserer Seite zur Erwerbsminderungsrente.
Reha vor Rente: erst die Wiedereingliederung prüfen
Es gilt der Grundsatz „Reha vor Rente“: Bevor eine Rente bewilligt wird, prüft die Rentenversicherung, ob eine medizinische oder berufliche Reha Ihre Erwerbsfähigkeit wiederherstellen kann. Ein Reha-Antrag kann daher automatisch in einen Rentenantrag umgedeutet werden, wenn eine Besserung nicht zu erwarten ist. Nehmen Sie angebotene Reha-Maßnahmen wahr – eine Verweigerung kann den Rentenanspruch gefährden.
So beantragen Sie die EM-Rente
Der Antrag erfolgt über die Deutsche Rentenversicherung – online, schriftlich oder mit Hilfe der Beratungsstellen. Wichtig ist, alle ärztlichen Befunde, Behandlungsberichte und Gutachten sorgfältig zusammenzustellen, da die Rentenversicherung die verbliebene Leistungsfähigkeit prüft und häufig ein eigenes medizinisches Gutachten einholt. Stellen Sie den Antrag möglichst innerhalb von drei Monaten, nachdem die Voraussetzungen erfüllt sind, damit die Rente vom Beginn an gezahlt wird.
- Beratung
Lassen Sie sich von der Rentenversicherung oder einem Sozialverband individuell beraten.
- Unterlagen sammeln
Alle Befunde, Berichte und Atteste zusammenstellen.
- Antrag stellen
Das Formularpaket der Rentenversicherung mit allen Nachweisen einreichen.
- Gutachten
Am ärztlichen Gutachten teilnehmen und die Einschränkungen genau schildern.
- Bescheid
Den Rentenbescheid prüfen – bei Ablehnung Widerspruch einlegen.
Welche Unterlagen Sie brauchen
Je vollständiger Ihre Nachweise, desto höher die Chance auf Bewilligung. Halten Sie für den Antrag bereit:
- ärztliche Befunde, Entlassungsberichte aus Klinik und Reha sowie aktuelle Atteste,
- eine Liste Ihrer behandelnden Ärzte mit Kontaktdaten,
- Angaben zu Ihrem Versicherungsverlauf und den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten,
- Schwerbehindertenausweis oder Bescheide anderer Stellen, falls vorhanden.
Bei Ablehnung: Widerspruch und Klage
Viele Anträge werden zunächst abgelehnt – 2023 waren es fast 44 Prozent. Dagegen können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen und – falls nötig – beim Sozialgericht klagen. Unterstützung bieten Sozialverbände wie VdK und SoVD sowie Fachanwälte; die Kosten eines Sozialrechtsstreits trägt ein Rechtsschutz mit Sozialgerichts-Baustein.
Sorgfalt zahlt sich aus
Je vollständiger und aussagekräftiger Ihre ärztlichen Nachweise sind, desto höher die Chance auf Bewilligung. Lassen Sie sich frühzeitig beraten und reichen Sie nichts unvollständig ein.
Höhe, Abschlag und Dauer der EM-Rente
Die volle Erwerbsminderungsrente liegt im Schnitt nur bei rund einem Drittel des letzten Bruttoeinkommens, die teilweise bei der Hälfte davon. Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente geht, muss zudem einen Abschlag von bis zu 10,8 Prozent hinnehmen. Die Rente wird in der Regel zunächst befristet bewilligt und muss verlängert werden. Ein begrenzter Hinzuverdienst ist erlaubt: Die Hinzuverdienstgrenze liegt bei der vollen Erwerbsminderungsrente bei rund 18.500 Euro im Jahr. Zu den anrechenbaren Zeiten zählen neben Ihren Beitragszeiten auch sogenannte Zurechnungszeiten, die so behandelt werden, als hätten Sie bis kurz vor die Regelaltersgrenze weiter eingezahlt.
Ein Beispiel: Wer zuletzt rund 2.500 Euro brutto verdiente, erhält als volle EM-Rente häufig nur etwa 800 bis 900 Euro im Monat – für viele Menschen mit dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen zu wenig zum Leben. Genau diese Lücke schließt eine private Absicherung.
Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich: So finden Sie den passenden Tarif
Unabhängig vom Ausgang des EM-Antrags reicht die gesetzliche Rente selten zum Leben. Der Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich zeigt, wie Sie sich privat absichern.

Achten Sie beim Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich vor allem auf diese Kriterien:
| Vergleichskriterium | Warum es zählt |
|---|---|
| Verzicht auf abstrakte Verweisung | keine Verweisung auf einen anderen Beruf |
| Leistung ab 50 % BU | klare, faire Definition |
| Prognosezeitraum | 6 Monate statt länger |
| Nachversicherungsgarantie | Erhöhung ohne erneute Gesundheitsprüfung |
| Beitrags- & Leistungsdynamik | Schutz vor Kaufkraftverlust |
Wichtig ist beim Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich, nicht allein den Beitrag, sondern das gesamte Leistungspaket, die Bedingungen und die Anbieterqualität zu betrachten.
Privat zahlt oft schneller
Während sich der EM-Antrag über Monate zieht und oft erst im Widerspruch bewilligt wird, prüft die private BU eigenständig und zahlt häufig schneller. Wer eine BU hat, ist nicht allein auf die strenge und langwierige gesetzliche Prüfung angewiesen.
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Häufige Fragen
Wo beantrage ich die Erwerbsminderungsrente?
Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?
Wann gibt es die volle, wann die teilweise Rente?
Welche Unterlagen brauche ich?
Was bedeutet „Reha vor Rente“?
Was tun bei Ablehnung?
Wer hilft beim Antrag?
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