Versorgungslücke berechnen und Definition

Versorgungslücke: Definition und Berechnung

Einmal im Jahr versendet die gesetzliche Rentenversicherung einen Rentenbescheid. Die zu erwartende Rente treibt vielen Menschen die Sorgenfalten ins Gesicht, denn der Bruttowert ist oft niedriger als erwartet. Zwischen dem heutigen Gehalt (netto) und der zu erwartenden Rente klafft eine große Lücke, die sogenannte Versorgungslücke. Viele vergessen auch, dass es sich bei den Angaben auf dem Rentenbescheid um Bruttozahlen handelt und davon noch Krankenkassenbeiträge und Steuern bezahlt werden müssen. Was sie ist, wie man sie berechnet und was man dagegen tun kann, wird in diesem Artikel erklärt.

Was ist die Versorgungslücke?

Die Versorgungslücke, oft auch Rentenlücke genannt, meint die finanzielle Lücke zwischen dem letzten Netto-Gehalt im Berufsleben und der Rente nach Eintritt in den Ruhestand beziehungsweise in die Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit. Die zu erwartende Rente ist in der Regel niedriger als das letzte Netto-Gehalt.

Ein Rentenpunkt entspricht in den alten Bundesländern in Deutschland aktuell einem Rentenwert von rund 36,02 Euro. Um diesen Punkt zu bekommen, muss man in Deutschland im Jahr 2021 mindestens ein Bruttojahresgehalt von 41.541 Euro verdient haben. Wer weniger verdient, bekommt keinen ganzen Punkt für seine Rente gutgeschrieben. Wer mehr verdient, kann pro Jahr bis zu zwei Rentenpunkte erhalten. Durch jeden Rentenpunkt sparen Angestellte Punkte für ihre spätere Rente an. Maßgeblich sind dabei das Gehalt und die Zahl der Arbeitsjahre. Wer wenig verdient und damit weniger Punkte sammelt oder in Teilzeit arbeitet, erhält auch weniger Rente.

In Deutschland betrifft die Altersarmut aktuell rund 4 Millionen Bürger. Das heißt, mit dem Eintritt in die Rente können viele Menschen ihren Lebensstandard nicht halten. Häufig liegt die Rente sogar unter 50 Prozent des Nettoeinkommens. Das ist der Grund dafür, dass sehr viele Menschen im Alter in die sogenannte Altersarmut rutschen.

Trotz gesetzlicher Rente in die Altersarmut?

Altersarm sind Menschen, wenn sie rund 900 Euro im Monat zum Leben haben und über 65 Jahre alt sind. Wer heute 2.500 Euro brutto verdient und etwa 35 Jahre lang arbeitet, wird 2030 nur noch eine gesetzliche Nettorente von rund 690 Euro erhalten. Wer 3.000 Euro verdient, wird 2035 voraussichtlich eine Bruttorente von 1.374 Euro erhalten, wovon allerdings noch Krankenkasse und Steuern abgehen. Das Rentenniveau sinkt jährlich ab, 2005 lag es noch bei 52,6 Prozent. Bis ins Jahr 2035 könnte sich das Rentenniveau laut Bundesregierung auf 45,8 Prozent reduzieren. Schaut man sich diese Zahlen an, wird schnell klar, dass davon der Lebensunterhalt nur zum Teil bestritten werden kann.

Gerade in der Rente möchten viele Menschen das Leben genießen, vielleicht Reisen nachholen, für die im Arbeitsleben nicht genug Zeit war. Andere entdecken neue Hobbys für sich. Um von einer späteren Altersarmut nicht betroffen zu sein, muss man also nicht nur arbeiten, sondern auch rechtzeitig privat vorsorgen. Von Altersarmut betroffen sind vor allem Geringverdiener und Frauen, die Kinder aufgezogen und gar nicht oder in Teilzeit gearbeitet haben. Frauen erhalten die Erziehungszeit für ihre Kinder zwar gutgeschrieben, allerdings reicht das nicht, um eine vollwertige Rente zu beziehen. Wer in Teilzeit arbeitet, verdient naturgemäß weniger, als eine Vollzeitkraft. Auch hier ist die Versorgungslücke deutlich größer, als bei Personen, deren Arbeitsverhältnis auf Vollzeit beruht.

Versorgungslücke schließen: Was kann ich gegen Altersarmut tun?

Durch den demografischen Wandel werden künftig immer weniger Menschen erwerbstätig sein, während die Zahl der Rentner weiter steigt. Früher bezahlten sechs Arbeitskräfte die Rente von zwei Rentnern. Durch den demografischen Wandel werden 2030 zwei Arbeitskräfte die Rente von sechs Rentner bezahlen. Das heißt, die Rentner bekommen weniger Geld. Außerdem muss die Inflation berücksichtigt werden, die durch Rentenanpassungen durch die Bundesregierung mit aller Wahrscheinlichkeit nicht vollständig aufgefangen werden kann. Deshalb ist es wichtig, auch privat für die Rente vorzusorgen.

Möglichkeiten, die Versorgungslücke zu schließen

Um die Versorgungslücke im Alter zu schließen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

Betriebliche Altersvorsorge

Eine Möglichkeit bietet die betriebliche Altersvorsorge. Arbeitgeber bieten ihren Angestellten unterschiedliche Vorsorgemodelle. Angefangen bei der Betriebsrente, über Direktversicherungen bis hin zu Entgeltumwandlungen und Pensionsfonds sind die Möglichkeiten vielfältig.

Private Rentenversicherung

Die gesetzliche Rente wird bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung nicht reichen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Um die entstehende Versorgungslücke zu schließen, ist eine private Rentenversicherung sinnvoll. Sie kann diese Lücke schließen und im Alter den Lebensstandard aufrechterhalten. Dabei lohnt es sich, nicht nur bei den großen Versicherern zu schauen, sondern auch Angebote von kleineren Versicherungsgesellschaften, wie bspw. der Canada Life Versicherung, einzuholen. Diese bieten oft bessere Konditionen an.

Kapitallebensversicherung

Eine Kapitallebensversicherung bildet die Kombination aus Todesfallschutz und privater Altersvorsorge ab. Wann das angesparte Kapital ausgezahlt wird, kann der versicherte beim Abschluss der Versicherung entscheiden. Heutzutage ist die private Rentenversicherung allerdings eine moderene und bessere Alternative.

Staatliche geförderte Vorsorge

Die Riester-Rente und die Rürup-Rente sind zwei staatlich geförderte Formen der privaten Altersvorsorge. Sie unterscheiden sich primär in der Art der Förderung und der Auszahlung.

Alternative Vorsorgemodelle

Eine nicht zu vernachlässigende Art der Altersvorsorge ist das Investment in bestimmte Assetklassen mit dem Ziel, einen positiven Cashflow zu generieren. Beliebt ist das Immobilieninvestment (zur Vermietung) und das Aktieninvestment (z.B. Dividendenaktien). Auch ein ETF-Sparplan ist denkbar. Hier ist allerdings wichtig, dass Investoren frühzeitig beginnen. Je früher investiert wird, desto höher ist das angesparte Volumen (auch Vorteile durch Zinseszins-Effekt).

Versorgungslücke mit privater Rentenversicherung schließen

Die gesetzliche Rente wird bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung nicht reichen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Um die entstehende Versorgungslücke zu schließen, ist eine private Rentenversicherung sinnvoll. Sie kann diese Lücke schließen und im Alter den Lebensstandard aufrechterhalten. Dabei lohnt es sich, nicht nur bei den großen Versicherern zu schauen, sondern auch bei kleineren Anbietern. Diese bieten oft bessere Konditionen an.

Wie hoch wird die Versorgungslücke sein?

Wie hoch die Lücke zwischen tatsächlicher Rente und Bedarf ist, hängt vom eigenen Lebensstandard und der zu erwartenden Rente ab. In der Regel liegt der Bedarf in der Rente etwas geringer, beispielsweise weil das Haus bis dahin abbezahlt ist oder die Kosten für den Weg zur Arbeit mit dem Auto wegfallen. Manche benötigen dann auch keine teure Arbeitskleidung mehr. Andererseits benötigt man für Reisen und Hobbys im Alter vielleicht auch mehr Geld, weil man jetzt mehr Zeit hat. Außerdem könnten die Kosten für Gesundheitsbehandlungen steigen.

Geht man davon aus, dass eine Person heute 2.000 Euro netto verdient und etwa 1.800 Euro für Fixkosten und Freizeitvergnügen ausgibt, bleiben 200 Euro übrig, die sie für die Rente ansparen kann. Im Rentenalter benötigt die Person dann voraussichtlich 1800 Euro. Zu erwarten ist, dass die Person 1.300 Euro Rente erhält. Es entsteht also eine Versorgungslücke von rund 500 Euro. Zusätzlich hat die Person noch eine Betriebsrente vom früheren Arbeitgeber, was den Bedarf um 100 Euro mindert. Also muss diese Person 400 Euro im Rentenalter aufbringen, um den Lebensstandard zu halten. Eine Möglichkeit wäre es, sich einen Minijob zu suchen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass man nicht immer gesundheitlich dazu in der Lage sein wird. Deshalb ist es besser, sich über eine private Rentenversicherung abzusichern.

Wie verändert sich meine Versorgungslücke?

Die Versorgungslücke ist ein variabler Betrag, der sich bis zum Eintritt in die Rente auch verändern kann. Wer Wohnungseigentum bis zur Rente abbezahlt, hat andere Voraussetzungen als jemand, der lebenslang zur Miete wohnt. Der Familienstand kann sich im Laufe der Jahre verändern. Das eigene Gehalt kann steigen, was die Rentenerwartung etwas erhöhen kann. Aber auch die Einnahmen und Ausgaben können sich bis zur Rente ständig ändern. Dennoch ist es wichtig, vorzusorgen und sich um die Altersvorsorge zu kümmern. Dabei gilt: je früher, desto besser.

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