Zahnzusatz versichern

Zahnzusatzversicherung: Was sie kostet und für wen sie sich lohnt

Der Besuch beim Zahnarzt ist für viele nicht leicht. Zum einen, weil sie schlicht und einfach panische Angst vor dem Arzt und seinem Bohrer haben. Zum anderen können es aber auch die Kosten sein, die viele in die Verzweiflung treiben. Dabei ist Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gar nicht so schlecht aufgestellt. Hier übernimmt die Krankenkasse immerhin eine ganze Reihe von Behandlungen, während man anderswo pauschal alle Zahnarztkosten aus eigener Tasche zahlen muss. Wer sich absichern möchte, liebäugelt mit einer Zahnzusatzversicherung. Aber lohnt die sich wirklich? Die Antwort ist ein eingeschränktes „Ja“, denn es kommt drauf an.

Was zahlt die Kasse, und was nicht?

Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt einen festen Zuschuss beim Zahnersatz, der sich an den Durchschnittspreisen bundesweit orientiert. Dabei handelt es sich normalerweise um einfache Standardlösungen, die aus medizinischer Sicht absolut ausreichen, wobei die Betonung auf „einfach“ liegt. Der Zuschuss kann sogar ein wenig steigen, wenn man jedes Jahr zur Kontrolle geht und sein Bonusheft stets aktualisiert. Nach fünf Jahren liegt man dann bei 70 Prozent, nach zehn Jahren bei 75 Prozent.

Das hört sich zwar im ersten Moment toll an, ist aber nicht immer aus der Sicht des Patienten die ideale Lösung. Wie gesagt, die Kasse geht stets von der einfachen Standardlösung aus, dabei kann es manchmal nicht nur aus optischer, sondern auch womöglich aus medizinischer Sicht besser sein, auf eine hochwertige Lösung zu setzen. So kann eine Keramikkrone, die einer Metallkrone bevorzugt wird, bei rund 800 Euro liegen, und der Kassenanteil beträgt 230 Euro. Die Differenz zahlt man selbst, es sei denn, man hat eine Zahnzusatzversicherung. Die sollte eigentlich diese Lücke schließen, das hängt allerdings vom Tarif ab.

Nicht jede Zahnzusatzversicherung ist gleich

Die Tarife der Zahnzusatzversicherungen unterscheiden sich teilweise erheblich. Manche verdoppeln beispielsweise den Zuschuss der Kasse. Das klingt super, bedeutet aber nicht unbedingt eine echte Erleichterung des Portemonnaies. Da die Kasse ja eh nur die günstigste Behandlung oder Variante bezuschusst, kommt das Geld dann zwar doppelt, ist in vielen Fällen aber immer noch zu wenig an Entlastung. Wenn man eine wirklich gute Absicherung sucht, muss man auf Tarife setzen, die gemeinsam mit dem Kassenanteil 80 oder 90 Prozent der Gesamtkosten abdecken.

Es lohnt sich zudem, einen Blick auf die Staffelregelung zu werfen. Das bedeutet, dass die Erstattung der Zahnzusatzversicherung in den ersten Jahren begrenzt wird und oft bei maximal 500 Euro liegt, obwohl die Behandlungskosten wesentlich höher sind. Wer also kurz vor einer größeren Behandlung eine Zahnzusatzversicherung abschließt, sollte vorher noch mal gut nachrechnen, ob sich das überhaupt lohnt.

Ähnliches gilt für die Wartezeit: Die meisten Versicherungen zahlen normalerweise nichts für Behandlungen, die bereits diagnostiziert wurden oder schon begonnen haben. Die wenigen Optionen ohne Wartezeit sind oft viel teurer und haben dann wieder andere Einschränkungen.

Wann sich der Abschluss lohnt

Wer generell gut gepflegte Zähne hat und nicht damit rechnet, dass in absehbarer Zeit größere Zahnarztbesuche für spezifische Probleme anstehen, kann sich überlegen, das Thema Zahnzusatzversicherung erst mal auf die lange Bank zu schieben.

Wer jedoch langsam älter wird und vielleicht schon die eine oder andere kleinere Baustelle im Mund hat, weiß vermutlich, dass bald Sanierungsbedarf ansteht. In so einem Fall ist die Zusatzversicherung sicherlich eine solide Absicherung.

Tipp: In den meisten Tarifen sind die jährlich empfohlenen professionellen Zahnreinigungen enthalten. Wenn man bedenkt, dass die Termine je nach Praxis zwischen 80 und 120 Euro kosten können, ist das Thema Zahnreinigung bereits mit einem Teil des Jahresbeitrags abgedeckt. Werden noch ein oder zwei weitere Behandlungen im Jahr fällig, hat sich der Abschluss schon gelohnt.

Tobias Friedrich

Über Tobias Friedrich

Tobias Friedrich ist Gründer und Geschäftsführer der Finanzriese GmbH sowie Autor auf Versicherungsriese.de. Er ist geprüfter Fachmann für Versicherungsvermittlung nach § 34d GewO (IHK) und bringt nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern auch eine praxisnahe Beratungshaltung mit. Nach einem Diplomstudium im Maschinenbau und fünf Jahren Berufserfahrung als Ingenieur wechselte Tobias 2021 in die Versicherungsbranche. Heute unterstützt er seine Kundinnen und Kunden mit einem besonderen Fokus auf individuelle und herausfordernde Versicherungslösungen. Sein Motto: Versichern heißt verstehen – auch dann, wenn’s kompliziert wird.

Hinterlassen Sie einen Kommentar