Deckungssumme (Versicherungssumme)

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Viele Versicherer vereinbaren mit ihren Versicherungsnehmern einen Maximalbetrag zur Abdeckung von Schadenskosten. Dieser wird im Versicherungsmanagement als Deckungssumme bezeichnet. Bei einigen Versicherungen spricht man auch von der Versicherungssumme. Ist ein Schaden höher als die vereinbarte Deckungssumme, muss die Differenz vom Versicherten beglichen werden.

Bei welchen Versicherungen werden Deckungssummen vereinbart?

Die Deckungs- oder Versicherungssumme gehört zu den wichtigsten Bestandteilen jeder Versicherung, die in irgendeiner Form Schadenersatzleistungen erbringt bzw. Entschädigungsgelder zahlt. Zu diesen gehören:

  • Haftpflichtversicherungen
  • Unfallversicherungen
  • Rechtsschutzversicherungen
  • Hausratversicherungen
  • Berufsunfähigkeitsversicherungen

Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?

Je nach Versicherungsform und Modell gelten unterschiedliche Bedingungen oder gesetzliche Bestimmungen. Zum Beispiel gibt es Vorschriften für Mindestdeckungen. Meist beziehen sich diese auf Pflichtversicherungen für bestimmte Personengruppen.

Bei freiwilligen Versicherungen haben Versicherungsnehmer im Allgemeinen mehr Spielraum und Entscheidungsfreiheit. Denn hier kann der Kunde nach eigenem Ermessen eine Pauschalsumme als Deckungssumme bestimmen.

Eine andere Variante ist die individuelle Kalkulation. Das bedeutet: Die Versicherungssumme richtet sich nach den persönlichen Bedürfnissen des Versicherungsnehmers. Bei einigen Versicherungsmodellen kann der Vertrag auch eine Klausel enthalten, welche die Höhe der Versicherungssumme entsprechend der Schadensart festlegt. Es folgt nun eine Aufstellung der Versicherungen inkl. Bedingungen für die Bestimmung der Deckungssumme.

Deckungssummen bei privaten Haftpflichtversicherungen

Kommt ein Bürger durch Fremdverschulden zu Schaden, ist der Verursacher zur unbegrenzten Haftung verpflichtet: So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Doch Schäden hohen Ausmaßes können mitunter existenzbedrohende Kosten verursachen.

Hat er eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen, kann dies eine große finanzielle Entlastung bedeuten. Vorausgesetzt, der Versicherungsnehmer hat die Deckungssumme nicht zu niedrig kalkuliert. Üblicherweise bewegen sich die Versicherungssummen je nach Versicherer und Tarif zwischen fünf- und fünfzig Millionen Euro. Experten empfehlen, sich mit einer Versicherungssumme von mindestens zehn Millionen Euro abzusichern.

Versicherungssummen bei Berufshaftpflichtversicherungen

Es gibt sogenannte Risikoberufe, welche den Abschluss einer Haftpflichtversicherung nahezu unvermeidbar machen. Zu diesen gehören beispielsweise Beratende oder begutachtende Tätigkeiten sowie Berufe im Heil- und Gesundheitswesen. In diesen Branchen kann fehlerhaftes Verhalten teuer werden. Für folgende Berufsgruppen gilt daher eine Versicherungspflicht:

  • Architekten
  • Wirtschaftsprüfer
  • Steuerberater
  • Rechtsanwälte
  • Ärzte

Rechtsanwälte und Architekten müssen sich laut Gesetz mit einer Mindestdeckung von 250.000 Euro gegen Vermögensschäden versichern.

Allgemein ist zu beobachten, dass Experten eine höhere Mindestdeckung empfehlen als sie das Gesetz vorschreibt. Doch letztlich sollten Versicherungsnehmer die Höhe der Deckungssumme je nach Tätigkeitsfeld, Risikofaktor und individuellem Bedarf festlegen.

Deckungssummen bei Betriebshaftpflichtversicherungen

Wer berufstätig ist, kann ebenso versehentlich einen Schaden verursachen wie Zuhause oder auf Reisen. Dabei kann das Risiko auf Betriebsgelände ähnlich hoch sein wie im Tätigkeitsfeld selbst.

Grundsätzlich empfiehlt sich in jedem Falle ein Versicherungsvergleich. Denn es gibt zuweilen große Unterschiede beim Leistungspotenzial. Doch eines ist allen gemein: Es gibt keine gesetzliche Mindestdeckung. Wer eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließt, hat sich ähnliche Fragen zu stellen wie bei einer Berufshaftpflichtversicherung. Wichtige Punkte bei der Entscheidung über die Höhe der Deckungssumme sind: Art des Unternehmens, Risiko und individuelle Bedürfnisse.

Versicherungssummen bei Hundehaftpflichtversicherungen

Mit einer Haftpflichtversicherung für Tierhalter werden Schäden abgedeckt, welche von Hunden und anderen Tieren verursacht wurden. In einigen Bundesländern sind Haustierhalter gesetzlich verpflichtet, eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abzuschließen. Als Deckungssumme wird Versicherungsnehmern meist ein Mindestwert von 3.000.000 Euro empfohlen. Begründet wird dies mit der Tatsache, dass vor allem Hunde oft folgenschwere Personenschäden verursachen. Die Entschädigung ist dann meist mit hohen Kosten verbunden.

Deckungssummen bei KFZ Haftpflichtversicherungen

Die KFZ Haftpflichtversicherung gehört zu den Pflichtversicherungen für Fahrzeughalter. Wird ein Schaden verursacht, gleicht ihn die Versicherung bis zur vereinbarten Deckungssumme aus. Im Gegensatz zur privaten Haftpflichtversicherung kann jedoch der Versicherungsnehmer nicht vollkommen frei entscheiden. Es muss eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestdeckung berücksichtigt werden. Die Regelung sieht folgendermaßen aus:

Mindestdeckung für Personenschäden: 7,5 Millionen Euro
Mindestdeckung für Sachschäden: 1,12 Millionen Euro
Mindestdeckung für Vermögensschäden: 50.000 Euro

Da die Schadenshöhe über diese Pflicht-Summen oft hinaus geht, empfehlen die meisten Versicherer ihren Versicherungsnehmern, sich mit einer höheren Versicherungssumme abzusichern. So bieten Sie beispielsweise eine Pauschalsumme von fünfzig- oder einhundert Millionen Euro an.

Versicherungssummen bei Unfallversicherungen

Hier spricht der Versicherer nicht von einer Deckungssumme. Er vereinbart mit seinem Kunden eine Versicherungssumme bzw. Invaliditätssumme. Letztere Bezeichnung erklärt sich wie folgt:

Das Leistungs- und Abdeckungsspektrum ist sehr weitreichend. Es beginnt bei der Kostenabdeckung für Hilfeleistungen nach einem Unfall und kann bis hin zu langfristigen Folgekosten reichen. Diese können entstehen, wenn eine oder mehrere der folgenden Situationen Eintritt:

  • Anspruch auf Versehrtenrente besteht
  • Pflegegelder gezahlt werden müssen
  • Eine Invalidität Umbaumaßnahmen erfordert

Es handelt sich hier um eine freiwillige Versicherung. Deshalb sind auch keine gesetzlichen Vorgaben zu berücksichtigen. Die meisten Versicherer berechnen die Versicherungssumme nach Bruttoeinkommen und Alter des Versicherungsnehmers. Wenn beispielsweise ein Familienvater als Hauptverdiener eine Unfallversicherung abschließt, könnte einer der folgenden Richtwerte für die Berechnung der Versicherungssumme dienlich sein:

Im Alter von dreißig Jahren beträgt die Versicherungssumme das sechsfache des Bruttolohns. Mit vierzig ist es das fünffache und mit fünfzig das Vierfache.

Deckungssummen bei Rechtsschutzversicherungen

Ein Rechtsstreit ist oft mit enormen Kosten verbunden. Außer den Gerichts- und Anwaltskosten kommen noch weitere hinzu. Dies können sein: Honorare für Gutachter, Gelder für zeugen und Forderungen des juristischen Gegners. Deshalb empfehlen viele Versicherer ihren Kunden eine Versicherungssumme von mindestens 300.000 Euro.

Wer sich häufig im Ausland aufhält, kümmert sich idealerweise auch um einen entsprechenden Auslandsschutz. Hier bewähren sich die praktischen Pauschal-Angebote vieler Versicherer, welche teilweise einen Rechtsschutz mit Deckungssummen bis zu 1.000.000 Euro anbieten.

Versicherungssummen bei Hausratversicherungen

Bei der Hausratversicherung wird die Deckungssumme ebenfalls als Versicherungssumme bezeichnet. Sie dient zur Abdeckung von Schäden, welche an Einrichtungsgegenständen sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgegenständen in einem Haushalt entstehen. Zum Beispiel, wenn es gebrannt hat oder eingebrochen wurde. Bei den Versicherungssummen wird zwischen zwei Modellen entschieden: dem herkömmlichen- und dem Wohnflächenmodell.

Beim herkömmlichen Versicherungssummenmodell errechnet sich die Versicherungssumme aus dem Wert des bestehenden Hausrats. Dabei kann sich der Versicherte unter Umständen dem Risiko der Unterversicherung aussetzen. Beispiel: Ein Versicherungsnehmer unterlässt- oder vergisst es, seine Versicherungsagentur über hochwertige Neuanschaffungen in Kenntnis zu setzen. Somit ist weder eine Aktualisierung des Hausratbestands erfolgt, noch wurde die Versicherungssumme angepasst.

Wer mit seiner Versicherung einen Unterversicherungsverzicht vereinbart, kann sich diesem Risiko entziehen. In dem Fall wird die Versicherungssumme auf Grundlage der Wohnfläche errechnet. Für diese Lösung wird allerdings vorausgesetzt, dass der Versicherungsnehmer seine Hausratversicherung mit einer Mindest-Versicherungssumme von 650 bis 750 Euro pro Quadratmeter abschließen kann.

Das Wohnflächenmodell basiert auf dem vereinbarten Tarif und den jeweils geltenden Bedingungen. Statt eine Versicherungssumme zu ermitteln, wird der Hausrat bis zu einer bestimmten Höchstentschädigungsgrenze versichert. Beispiel: 100.000 Euro oder 1.000.000 Euro. Hat der Versicherungsnehmer die korrekten Maße seiner Wohnfläche angegeben, ist in der Police auch schon der Unterversicherungsverzicht enthalten.

Deckungssummen bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung wird die Deckungssumme als Berufsunfähigkeitsrente bzw. BU-Rente geführt. Mit Abschluss einer solchen Versicherung kann sich jeder für den Fall absichern, dass er aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig wird. Denn die staatliche Erwerbsminderungsrente ist oft zu niedrig. Wer nach dem 01.01.1961 geboren wurde, läuft sogar Gefahr, unter das Existenzminimum zu fallen. Denn es werden nur rund 32 Prozent des letzten Brutto-Einkommens als Erwerbsunfähigkeitsrente angerechnet.

Die Berufsunfähigkeitsrente soll vor dem finanziellen Ruin schützen und den Lebensunterhalt sichern. Deshalb darf sie nicht zu niedrig ausfallen. Als Grundlage für die Berechnung der BU-Rente gelten die persönlichen Lebensumstände des Versicherungsnehmers. Experten empfehlen meist eine Summe, die etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens ausmacht.

Synonyme:
Versicherungssumme
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