Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1,6 Promille gilt auf dem Fahrrad absolute Fahruntüchtigkeit: eine Straftat, auch ohne Unfall.
- Die Folgen: Geldstrafe (häufig rund ein Netto-Monatsgehalt), Punkte in Flensburg und meist eine MPU.
- Schon ab 0,3 Promille droht eine Strafe, wenn Ausfallerscheinungen oder ein Unfall dazukommen.
- Pedelecs bis 25 km/h zählen als Fahrrad – S-Pedelecs als Kfz mit 0,5- und 1,1-Promille-Grenze.
- Wer die MPU nicht besteht, verliert den Autoführerschein – als Radfahrer.
Nach dem Feierabendbier steigen viele lieber aufs Fahrrad, statt sich ans Steuer zu setzen – und genau das kann richtig teuer werden. Denn auch für Radfahrer kennt das Strafrecht Promillegrenzen, und die MPU-Falle schnappt schneller zu, als viele denken.
Gilt eine Promillegrenze beim Fahrrad fahren? Das sagt das Gesetz
Die Regeln im Straßenverkehr gelten nicht nur für Autofahrer: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, sein Fahrzeug sicher zu führen – und ein Fahrzeug ist auch das Fahrrad. Eine starre gesetzliche Promillegrenze wie die 0,5-Promille-Marke der Autofahrer existiert für Radler nicht; stattdessen hat die Rechtsprechung die Grenze der absoluten Fahruntüchtigkeit bei 1,6 Promille Alkohol im Blut gezogen. Wer so betrunken Fahrrad zu fahren versucht, begeht eine Trunkenheitsfahrt – schon bei niedrigeren Werten wird es strafbar, wenn Ausfallerscheinungen dazukommen oder andere gefährdet werden.
Die Promillegrenzen für Radfahrer: 0,3 und 1,6 Promille
| Promillewert | Rechtsfolge |
|---|---|
| ab 0,3 ‰ | relative Fahruntüchtigkeit: Straftat, wenn Fahrfehler, Ausfallerscheinungen oder ein Unfall hinzukommen |
| ab 1,6 ‰ | absolute Fahruntüchtigkeit: immer Straftat (§ 316 StGB), auch bei unauffälliger Fahrt |
Anders als beim Auto gibt es für Fahrradfahrer kein Bußgeld als 0,5-Promille-Ordnungswidrigkeit – dafür wird es bereits ab 1,6 Promille sofort strafrechtlich ernst. Wer Alkohol getrunken hat und mit dem Fahrrad unterwegs ist, fährt also nie in einer „erlaubten“ Zone, sondern höchstens in einer straffreien.
Geldstrafe, Punkte & MPU: die Sanktionen beim Fahrradfahren mit Alkohol
- Geldstrafe: üblich sind etwa 30 Tagessätze, also rund ein Netto-Monatsgehalt.
- Drei Punkte in Flensburg: Die Straftat wird im Fahreignungsregister eingetragen.
- MPU-Anordnung: Die Trunkenheitsfahrt gilt als Hinweis auf mangelnde Verkehrszuverlässigkeit – wer ab 1,6 Promille erwischt wird, muss mit der Anordnung einer MPU rechnen. Wer die medizinisch-psychologische Untersuchung verweigert oder nicht besteht, muss den Führerschein abgeben: Der Führerscheinentzug wegen Alkohol auf dem Rad ist real.
- Eintrag ins Führungszeugnis ist je nach Strafhöhe möglich.

E-Bike, Pedelec, S-Pedelec: Welche Grenze gilt?
Das normale Pedelec bis 25 km/h gilt rechtlich als Fahrrad – es gelten die Radfahrer-Grenzen von 0,3 und 1,6 Promille. Das S-Pedelec bis 45 km/h ist dagegen ein Kraftfahrzeug: Hier greifen die Auto-Regeln mit 0,5 Promille (Ordnungswidrigkeit, Fahrverbot fürs Kfz) und 1,1 Promille (Straftat). Details zu Kennzeichen- und Versicherungspflicht dieser Klasse zeigt unsere Seite zur S-Pedelec-Versicherung.
Was Alkohol für Ihre Versicherungen bedeutet
Verursachen Sie betrunken einen Schaden, zahlt Ihre Privathaftpflichtversicherung dem Geschädigten zwar in der Regel – sie kann die Leistung bei grober Fahrlässigkeit aber kürzen oder Sie in Regress nehmen, wenn der Tarif keinen entsprechenden Verzicht enthält. In der privaten Unfallversicherung sind alkoholbedingte Bewusstseinsstörungen häufig ausgeschlossen. Und für das Strafverfahren selbst lohnt der Blick in die Verkehrsrechtsschutzversicherung – Verteidigerkosten kommen schnell in den vierstelligen Bereich.
Im Verkehrsrecht abgesichert?
Verteidigung, Bußgeld-Einspruch, Führerscheinverfahren: Der Verkehrsrechtsschutz übernimmt die Kosten.
Schärfere Promillegrenze für Radfahrer? Die aktuelle Debatte
Beim Thema Fahrrad, Alkohol und Drogen bewegt sich die Rechtslage womöglich bald: Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates ergab, dass 82 Prozent der Befragten eine niedrigere Grenze befürworten, manche fordern sogar ein absolutes Alkoholverbot am Lenker. Auch als Thema beim Verkehrsgerichtstag in Goslar stand die 1,6-Promille-Marke bereits auf dem Prüfstand. Bis dahin gilt: Die sicherste Entscheidung ist, vor der Fahrt gar keinen Alkohol zu konsumieren – oder zu schieben, denn wer das Rad nur schiebt, fährt nicht.
Häufige Fragen zur Promillegrenze auf dem Fahrrad
Wie viel Promille darf ich auf dem Fahrrad haben?
Kann ich als Radfahrer den Führerschein verlieren?
Welche Grenze gilt für das E-Bike?
Zahlt die Haftpflicht, wenn ich betrunken einen Unfall baue?
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