Regionalklasse:einfach erklärt

Die Regionalklasse bewertet die Schadenbilanz einer Zulassungsregion und beeinflusst den Beitrag in der Kfz-Versicherung.

Kategorie: Kfz
Versicherungsnehmer – Definition

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Regionalklasse bewertet die Schadenbilanz Ihres Zulassungsbezirks – nicht Ihr Fahrzeug.
  • Je höher die Regionalklasse, desto teurer die Kfz-Versicherung; je niedriger, desto günstiger.
  • Der GDV berechnet die Regionalklassen jedes Jahr neu für alle 413 Zulassungsbezirke.
  • Ein Umzug in einen anderen Zulassungsbezirk kann Ihren Beitrag spürbar ändern.

Check: Wie ist Ihre Regionalklasse eingestuft?

Was ist die Regionalklasse?

Die Regionalklasse gibt an, wie hoch das Schadenrisiko in einer bestimmten Region ist – dem sogenannten Zulassungsbezirk. Sie beantwortet die Frage, wie häufig es dort zu Unfällen und Schäden kommt und wie teuer diese im Durchschnitt sind. In der Kfz-Versicherung sind die Regionalklassen neben Typklasse und Schadenfreiheitsklasse eines der wichtigsten Tarifmerkmale.

Anders als die Typklasse bewertet die Regionalklasse nicht Ihr Automodell, sondern den Ort, an dem Ihr Fahrzeug zugelassen ist. Zwei identische Autos können deshalb je nach Zulassungsbezirk unterschiedlich hohe Beiträge kosten.

Wie wird die Regionalklasse berechnet?

Für die Berechnung wertet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Schadenbilanz aller Zulassungsbezirke aus. Berücksichtigt werden die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge, die Zahl der dort verursachten Unfälle und die durchschnittliche Schadenhöhe. Diese Schadensbilanz wird für die Kfz-Haftpflichtversicherung sowie für die Teil- und Vollkaskoversicherung getrennt ermittelt. Aus den Daten entsteht ein Indexwert je Bezirk: Liegt er über dem bundesweiten Durchschnitt, fällt die Regionalklasse höher aus, liegt er darunter, niedriger.

Jährlich berechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Regionalklassen für alle 413 deutschen Zulassungsbezirke neu. Die Schadensbilanz der letzten fünf Jahre wird dabei in einen Indexwert umgerechnet. Regionen mit vielen Schäden – oft Ballungsräume – landen dabei tendenziell in höheren Klassen als ländliche Gebiete.

Welche Faktoren bestimmen die Regionalklasse?

Entscheidend für die Regionalklasse ist allein die Schadenbilanz einer Region – nicht Ihr persönliches Fahrverhalten. In die Berechnung fließen ein:

  • Anzahl der Unfälle und Schäden im Zulassungsbezirk, bezogen auf die dort zugelassenen Fahrzeuge.
  • Höhe der durchschnittlichen Kosten je Schaden.
  • in der Teilkasko zusätzlich die Anzahl der Wildunfälle sowie Diebstahl- und Unwetterschäden der Region.

Aus diesen Werten bildet der GDV je Bezirk einen Indexwert. Ein Indexwert von 100 entspricht dem bundesweiten Durchschnitt; ein höherer Indexwert wird in eine höhere Regionalklasse und damit einen höheren Versicherungsbeitrag umgerechnet.

Wie viele Regionalklassen gibt es?

Die Regionalklasse wird für jede Versicherungsart getrennt bestimmt. Die Zahl der Klassen unterscheidet sich dabei:

Versicherungsart Anzahl Regionalklassen
Kfz-Haftpflicht 12 Regionalklassen
Teilkasko 16 Regionalklassen
Vollkasko 9 Regionalklassen

Auch hier gilt: Je niedriger die Regionalklasse, desto günstiger der Beitrag. Ein Bezirk mit der niedrigsten Klasse ist deutlich günstiger versichert als einer mit der höchsten.

Höhere oder niedrigere Regionalklasse – Auswirkung auf den Beitrag

Die Regionalklasse wirkt sich unmittelbar auf den Beitrag Ihrer Kfz-Versicherung aus. Eine höhere Regionalklasse bedeutet höhere Kosten, eine niedrigere einen günstigeren Preis. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Zulassungsbezirk können bei gleichem Auto im Jahr mehrere Hundert Euro Beitrag liegen. Wie stark die Regionalklasse ins Gewicht fällt, hängt zusätzlich von der Typklasse, Ihrer Fahrleistung und Ihrer Schadenfreiheitsklasse ab.

Regionalklasse und Umzug

Weil die Regionalklasse am Zulassungsbezirk hängt, kann ein Umzug Ihren Beitrag verändern. Ziehen Sie in eine Region mit höherer Regionalklasse, kann die Kfz-Versicherung teurer werden; ziehen Sie in einen günstigeren Bezirk, sinkt der Beitrag. Maßgeblich ist der Hauptwohnsitz des Halters: Wer etwa von einem ländlichen Bezirk nach Berlin zieht, zahlt oft einen höheren Versicherungsbeitrag. Sie sind verpflichtet, den neuen Wohnort und die Ummeldung Ihrem Versicherer mitzuteilen. Der Beitrag wird dann an die Regionalklasse des neuen Zulassungsbezirks angepasst.

Wo ist die Regionalklasse hoch, wo niedrig?

Tendenziell haben Großstädte und Ballungsräume eine höhere Regionalklasse als ländliche Regionen – dort passieren mehr Unfälle, und Diebstähle sind häufiger. Eine höhere Regionalklasse bedeutet für die dort zugelassenen Fahrzeuge einen höheren Beitrag. In vielen ländlichen Zulassungsbezirken ist die Regionalklasse dagegen niedriger, was die Kfz-Versicherung günstiger macht. Weil sich die Schadenbilanz jedes Jahr verschiebt, kann sich die Einstufung einer Region von Jahr zu Jahr ändern.

Regionalklasse und Typklasse – der Unterschied

Regionalklasse und Typklasse ergänzen sich, betreffen aber verschiedene Dinge. Die Regionalklasse bewertet den Zulassungsbezirk, die Typklasse das Fahrzeugmodell. Beide legt der GDV fest, und beide fließen in den Beitrag ein. Den größten Unterschied gibt es beim Einfluss: Die Typklasse ändern Sie nur durch ein anderes Auto, die Regionalklasse durch einen Umzug.

Wann ändert sich die Regionalklasse?

Der GDV veröffentlicht die neuen Regionalklassen jedes Jahr. Die Änderung gilt dann für das folgende Versicherungsjahr. Für viele Autofahrer verschiebt sich dadurch die Einstufung der Regionalklasse – nach oben oder nach unten. Jede Veränderung der Regionalklasse wirkt sich erst im folgenden Jahr auf den Beitrag aus. Wichtig: Die Regionalklassen des GDV sind eine statistische Empfehlung. Kein Versicherer ist gesetzlich verpflichtet, sie exakt zu übernehmen; in der Praxis orientieren sich aber fast alle daran. Steigt Ihr Beitrag durch eine höhere Regionalklasse, lohnt ein Vergleich der Autoversicherung – oft senkt schon ein Tarifwechsel die Prämie, ohne dass Sie am Vertrag etwas anderes ändern.

Gut zu wissen

Ihre aktuelle Regionalklasse können Sie über die Regionalklassen-Abfrage des GDV per Postleitzahl bzw. Zulassungsbezirk kostenlos einsehen.

Regionalklasse abfragen und vergleichen

Ihre Einstufung können Sie jederzeit prüfen: Über die Regionalklassen-Abfrage des GDV sehen Sie per Postleitzahl, in welcher Regionalklasse Ihr Zulassungsbezirk in Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko liegt. Steigt Ihre Regionalklasse und damit der Beitrag, lohnt ein Vergleich der Kfz-Versicherung. Ein Wechsel des Versicherers ist zum Ende der Vertragslaufzeit möglich – der neue Vertrag berücksichtigt dieselbe Regionalklasse, kann aber je nach Versicherer und Tarif deutlich günstiger ausfallen.

Häufige Fragen zu „Regionalklasse“

Was ist die Regionalklasse?
Die Regionalklasse bewertet die Schadenbilanz eines Zulassungsbezirks. Je mehr Unfälle und Schäden dort passieren, desto höher die Regionalklasse und desto höher der Beitrag zur Kfz-Versicherung.
Wie viele Regionalklassen gibt es?
In der Kfz-Haftpflicht gibt es 12, in der Teilkasko 16 und in der Vollkasko 9 Regionalklassen. Sie werden für alle 413 Zulassungsbezirke berechnet.
Ändert ein Umzug meine Regionalklasse?
Ja. Melden Sie Ihr Fahrzeug in einem anderen Zulassungsbezirk an, gilt dessen Regionalklasse – der Beitrag kann dadurch steigen oder sinken.
Muss sich jede Versicherung an die Regionalklassen halten?
Nein. Die Regionalklassen des GDV sind eine Empfehlung. Versicherer dürfen davon abweichen, orientieren sich in der Praxis aber meist daran.
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Tobias Friedrich

Tobias Friedrich

Gründer der Finanzriese GmbH

Tobias Friedrich ist Gründer und Geschäftsführer der Finanzriese GmbH, dem Unternehmen hinter Versicherungsriese.de. Seit der Gründung verfolgt er ein Ziel: Versicherungen für Verbraucher transparent und kostenlos vergleichbar zu machen. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Ratgebers und stellt sicher, dass alle Inhalte fachlich fundiert, aktuell und verständlich aufbereitet sind. Sein Anspruch ist ehrliche Orientierung statt Verkaufsdruck.