Das Wichtigste in Kürze
- Der Rückkaufswert ist der Betrag, den Sie bei vorzeitiger Kündigung einer Lebens- oder Rentenversicherung ausgezahlt bekommen.
- In den ersten Jahren ist er oft sehr niedrig, weil Abschluss- und Vertriebskosten zuerst verrechnet werden.
- Zusätzlich kann ein Stornoabzug den Betrag mindern. Erst mit den Jahren nähert sich der Rückkaufswert den eingezahlten Beiträgen.
- Vor einer Kündigung lohnt der Vergleich mit Alternativen wie dem Beitragsfreistellen oder dem Verkauf der Police.
Wer seine Lebens- oder Rentenversicherung kündigen will, stößt schnell auf den Begriff Rückkaufswert. Oft ist die Enttäuschung groß, weil weniger ausgezahlt wird als erwartet. Wie der Rückkaufswert zustande kommt, warum er anfangs so niedrig ist und welche Alternativen es gibt, erklärt dieser Ratgeber.
Was der Rückkaufswert ist
Der Rückkaufswert ist der Betrag, den Ihnen der Versicherer bei einer vorzeitigen Kündigung Ihrer kapitalbildenden Lebens- oder Rentenversicherung auszahlt. Er setzt sich aus dem angesparten Kapital zusammen, vermindert um noch nicht verrechnete Kosten und einen möglichen Abzug. Bei reinen Risikoversicherungen ohne Sparanteil, etwa der Risikolebensversicherung, gibt es keinen Rückkaufswert.
Warum er anfangs so niedrig ist
Viele sind überrascht, wie wenig sie in den ersten Jahren zurückbekommen. Der Grund: Abschluss- und Vertriebskosten werden zu Beginn des Vertrags verrechnet, bevor nennenswert Kapital aufgebaut wird. Dazu kommt oft ein Stornoabzug. In den ersten Jahren liegt der Rückkaufswert deshalb häufig deutlich unter der Summe der eingezahlten Beiträge. Erst mit der Zeit dreht sich das, und der Wert nähert sich dem Angesparten an.
Garantierter Rückkaufswert in der Police
In Ihrer Police oder den jährlichen Mitteilungen finden Sie eine Tabelle mit den garantierten Rückkaufswerten je Jahr. Ein Blick darauf zeigt, was eine Kündigung zu welchem Zeitpunkt bringt, und hilft bei der Entscheidung.
Alternativen zur Kündigung
Eine Kündigung ist oft die teuerste Lösung, weil Sie die anfänglichen Kosten dann nie wieder hereinholen. Bevor Sie kündigen, sollten Sie die Alternativen prüfen:
- Beitragsfreistellung: Der Vertrag läuft ohne weitere Beiträge weiter, das Kapital bleibt erhalten.
- Beitrag reduzieren: Sie zahlen weniger ein, statt ganz auszusteigen.
- Verkauf der Police: Auf dem Zweitmarkt erzielen manche Verträge mehr als den Rückkaufswert.
- Widerruf prüfen: Bei fehlerhafter Belehrung ist manchmal noch ein Widerruf mit voller Rückzahlung möglich.
Vor der Kündigung gut beraten entscheiden
Eine Kündigung ist oft die teuerste Option. Prüfen Sie Ihre Möglichkeiten rund um Lebens- und Rentenversicherung.
So finden Sie Ihren Rückkaufswert
Den aktuellen Rückkaufswert müssen Sie nicht selbst berechnen. Ihr Versicherer ist verpflichtet, ihn Ihnen auf Anfrage mitzuteilen, und er steht in den jährlichen Standmitteilungen. Fordern Sie vor jeder Entscheidung den genauen Wert an und lassen Sie sich auch die steuerlichen Folgen erläutern. Bei älteren Verträgen kann die Auszahlung steuerfrei sein, bei neueren fällt unter Umständen Steuer an.
Kündigen ist fast immer die teuerste Lösung
Beim Rückkaufswert gilt: Wer in den ersten Jahren kündigt, verschenkt Geld, weil die Abschlusskosten bereits gezahlt, aber noch nicht erwirtschaftet sind. Prüfen Sie vor der Kündigung immer die Beitragsfreistellung oder den Verkauf. Oft ist es klüger, den Vertrag ruhen zu lassen, als ihn mit Verlust aufzulösen.

