Das Wichtigste in Kürze
- Eine Lebensversicherung verkaufen bringt über den Zweitmarkt oft mehr als die Kündigung.
- Policenankäufer zahlen einen Kaufpreis über dem Rückkaufswert und führen die Police fort.
- Verkaufen lassen sich nur kapitalbildende Lebensversicherungen mit Rückkaufswert.
- Der Todesfallschutz bleibt bei vielen Verträgen erhalten.
- Alternativen sind Beitragsfreistellung, Policendarlehen und Widerruf.
Lebensversicherung verkaufen statt kündigen
Wer Geld benötigt oder seine Lebensversicherung nicht mehr braucht, denkt zuerst an die Kündigung. Doch die Kündigung einer Lebensversicherung ist meist die teuerste Lösung: In den ersten Jahren liegt der Rückkaufswert deutlich unter den eingezahlten Beiträgen, weil Abschluss- und Vertriebskosten verrechnet werden. Eine attraktive Alternative ist der Verkauf der Lebensversicherung über den Zweitmarkt: Spezialisierte Ankäufer zahlen oft mehr als der Versicherer und führen den Vertrag fort.
Der Verkauf Ihrer Lebensversicherung lohnt sich vor allem, wenn der Vertrag schon einige Jahre läuft und einen soliden Wert angespart hat. So sichern Sie sich kurzfristig Liquidität, ohne hohe Verluste hinzunehmen. Im Vergleich zur Kündigung holen Sie so mehr Geld aus Ihrem Vertrag: Was Ihnen der Versicherer bei einer Kündigung zahlt, ist fast immer weniger. Statt zu kündigen, zahlen einige Anbieter beim Verkauf einer Lebensversicherung rund 15 Prozent mehr als den Rückkaufswert.
Vorteile
- Oft mehr als der Rückkaufswert
- Police läuft weiter, Todesfallschutz bleibt
- Schnelle Auszahlung und Liquidität
Nachteile
- Nur für kapitalbildende Verträge
- Abschlag gegenüber der späteren Ablaufleistung
- Seriosität des Ankäufers prüfen
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So funktioniert der Verkauf über den Zweitmarkt
Beim Verkauf wird die Police nicht aufgelöst, sondern an einen gewerblichen Policenankäufer übertragen. Der Verkauf von Lebensversicherungen läuft über den sogenannten Zweitmarkt für Lebensversicherungen – nicht über die Versicherer selbst. Der Käufer wird neuer Versicherungsnehmer, zahlt – falls vorgesehen – die Beiträge weiter und kassiert am Ende die Ablaufleistung. Sie als bisheriger Versicherungsnehmer erhalten sofort den vereinbarten Kaufpreis, der Ihnen direkt überwiesen wird.
Weil die Anbieter solche Verträge als Vermögensanlagen im Zweitmarkt bündeln und mit dem Überschuss weiterführen, können sie mehr bieten als den reinen Rückkaufswert beim Versicherer. Ein wichtiger Vorteil: Bei vielen Verträgen bleibt der vereinbarte Todesfallschutz für die versicherte Person bestehen und entfällt nicht, sodass Hinterbliebene weiter abgesichert bleiben. Wer seine Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt verkaufen möchte, sollte mehrere Ankäufer vergleichen, denn die Angebote unterscheiden sich je nach Anbieter deutlich.
Seriöse Ankäufer sind in der Regel Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) und kaufen ausschließlich kapitalbildende Lebensversicherungen an. Bekannte Policenankäufer am Markt sind etwa Winninger oder vergleichbare Spezialisten für den Zweitmarkt Lebensversicherungen. Achten Sie auf diese Mitgliedschaft als Zeichen für einen vertrauenswürdigen Partner, wenn Sie Ihre Lebensversicherung zu verkaufen beabsichtigen.
Welche Lebensversicherungen sich verkaufen lassen
Eine kapitalbildende Lebensversicherung lässt sich am Zweitmarkt verkaufen – anders als bei vielen Versicherern eine reine Risikopolice. Verkaufen lassen sich grundsätzlich nur kapitalbildende Verträge, die einen Rückkaufswert besitzen – also klassische Kapitallebensversicherungen sowie fondsgebundene Lebensversicherungen. Wie hoch der angesparte Wert ist, zeigt die jährliche Standmitteilung Ihres Versicherers. Wer seine Lebensversicherung verkaufen will und deren Vertrag vor einigen Jahren abgeschlossen wurde, findet meist einen Käufer – vorausgesetzt, der Vertrag hat genügend Kapital angesammelt.
Die meisten Ankäufer setzen einen Mindestrückkaufswert voraus, häufig rund 10.000 Euro. Je höher die bereits eingezahlten Beiträge und je länger die Vertragslaufzeit, desto attraktiver ist der Ankauf. Lebensversicherungen mit langer Restlaufzeit und hohem Garantiezins sind besonders gefragt, weil sie für den Käufer eine sichere Rendite versprechen.
Welche Verträge nicht angekauft werden
Nicht jeder Vertrag ist verkäuflich. Reine Risikolebensversicherungen ohne Sparanteil haben keinen Rückkaufswert und werden daher nicht angekauft. Auch staatlich geförderte oder betriebliche Verträge wie Riester-Rente, Rürup-Rente und die betriebliche Altersvorsorge lassen sich nicht verkaufen – sie sind als Altersvorsorge zweckgebunden.
Eine eingeschlossene Zusatzversicherung – etwa eine Berufsunfähigkeits- oder Unfallzusatzversicherung – kann beim Verkauf der Lebensversicherung entfallen. Prüfen Sie deshalb vorab, welche Bausteine Sie verlieren und ob Sie diesen Schutz als Verbraucher an anderer Stelle neu benötigen.
Kaufpreis: Was Sie für Ihre Police bekommen
Der Kaufpreis liegt in der Regel über dem Rückkaufswert, aber unter der späteren Ablaufleistung – der Ankäufer braucht eine Marge für sein Risiko. In der Praxis zahlen seriöse Anbieter häufig einige Prozent mehr als der Versicherer beim Rückkauf, teils bis zu 15 Prozent mehr Geld als die Versicherungsgesellschaft. Sie erhalten den vollen Kaufpreis, in der Regel abzüglich nur geringer Kosten. Wie viel genau ausgezahlt wird, hängt von der Höhe des Rückkaufswertes, von Garantiezins, Restlaufzeit, Überschuss und den eingezahlten Beiträgen ab.
Achten Sie darauf, dass der Verkauf der Police ohne versteckte Gebühren abläuft: Ein seriöser Ankäufer macht ein kostenloses Angebot; den vereinbarten Kaufpreis lässt er Ihnen nach der Abwicklung zügig überweisen. Lassen Sie sich vom Versicherer den aktuellen Rückkaufswert nennen und vergleichen Sie ihn mit dem Zweitmarktangebot. Erst wenn beim Verkauf der Lebensversicherung spürbar mehr herauskommt, lohnt sich der Schritt wirklich.
Kündigen ist fast immer die schlechteste Option
Bevor Verbraucher eine Lebensversicherung kündigen, sollten sie alle Wege prüfen: Der Verkauf über den Zweitmarkt bringt oft mehr als der Rückkaufswert, das Policendarlehen erhält das Kapital und der Widerruf kann bei Altverträgen sogar die volle Rückabwicklung bedeuten. Holen Sie immer mehrere Angebote ein, bevor Sie sich entscheiden.
Erst vergleichen, dann entscheiden
Rückkaufswert, Zweitmarkt und Beitragsfreistellung gegenüberstellen.
Wann sich der Verkauf der Lebensversicherung besonders lohnt
Lohnt sich der Verkauf? Das hängt von Ihrer Situation ab. Besonders sinnvoll ist er, wenn Sie kurzfristig dringend Geld benötigen, die Beiträge nicht mehr leisten können oder das Kapital aus der Lebensversicherung benötigen. Ob Sie verkaufen oder kündigen, sollten Sie dabei nie überstürzt entscheiden. Statt den Vertrag mit Verlust zu kündigen, sichern Sie sich über den Verkauf einen höheren Betrag.
Stehen die Chancen gut? Das ist der Fall, wenn der Vertrag schon mehrere Jahre läuft, einen Mindestrückkaufswert von rund 10.000 Euro erreicht und noch eine Restlaufzeit von mindestens 15 Jahren hat. Je nachdem, wann die Lebensversicherung abgeschlossen wurde, müssen Verträge bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Liegt der Rückkaufswert dagegen sehr niedrig oder steht der Vertrag kurz vor der Auszahlung, ist der Verkauf meist nicht attraktiv.
Lebensversicherung verkaufen in vier Schritten
Die Abwicklung ist unkompliziert, wenn Sie strukturiert vorgehen:
- Unterlagen prüfen
Versicherungsschein, Standmitteilung und den aktuellen Rückkaufswert beim Versicherer anfordern.
- Angebote einholen
Bei mehreren seriösen Anbietern ein kostenloses Angebot für den Ankauf einholen und die Kaufpreise vergleichen.
- Bestes Angebot wählen
Das höchste Angebot ohne versteckte Gebühren auswählen und prüfen, ob der Todesfallschutz erhalten bleibt.
- Police abtreten
Mit einer Vollmacht wird die Lebensversicherungspolice an den Aufkäufer abgetreten; danach wird der Kaufpreis überwiesen.
Seriöse Anbieter erkennen: worauf Sie beim Ankäufer achten
Auf dem Zweitmarkt gibt es viele Policenankäufer – und leider auch unseriöse Anbieter. Bevor Sie Ihre Police verkaufen, sollten Sie daher verschiedene Anbieter sorgfältig vergleichen und genau hinschauen. Ein seriöser Anbieter nennt Ihnen kostenlos und transparent den Kaufpreis, erklärt die Abwicklung verständlich und drängt Sie nicht zu einer schnellen Unterschrift.
Warum wir nur einen Anbieter empfehlen
Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen ist klein – nur wenige Aufkäufer arbeiten seriös und zahlen verlässlich. Statt einer langen Liste empfehlen wir bewusst den Anbieter, mit dem wir die besten Erfahrungen gemacht haben.
Worauf Sie beim Anbieter achten sollten: eine BVZL-Mitgliedschaft, klare Vertragsbedingungen, keine versteckten Gebühren und nachvollziehbare Bewertungen anderer Kunden. Je nach Anbieter werden nur Verträge ab einer bestimmten Höhe angekauft. Wer sich die Zeit nimmt, einen seriösen Anbieter zu finden, holt beim Verkauf der Lebensversicherung in der Regel mehr Geld heraus als bei der Kündigung.
Alternativen: Beitragsfreistellung, Policendarlehen und Widerruf
Der Verkauf ist nicht der einzige Weg. Statt zu verkaufen, können Sie den Vertrag beitragsfrei stellen: Sie zahlen keine Beiträge mehr, das angesparte Kapital bleibt aber investiert und wird zum Ablauf ausgezahlt. Oder Sie beleihen die Police mit einem Policendarlehen und erhalten kurzfristig Liquidität, ohne den Vertrag aufzugeben – die Lebensversicherung dient dabei als Sicherheit. Wird die Lebensversicherung beitragsfrei gestellt, bleibt das Kapital zuzüglich der bereits erwirtschafteten Zinsen erhalten. Diese Alternativen zum Verkauf sollten Sie immer mitprüfen.
Bei vielen Verträgen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, kommt zudem ein Widerruf infrage. Wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrungen lässt sich der Vertrag manchmal rückabwickeln, sodass alle eingezahlten Beiträge plus Nutzungen zurückfließen. Welche Option am meisten bringt, hängt vom Einzelfall ab – ein Vergleich lohnt sich immer.
Steuer beim Verkauf der Lebensversicherung
Auch steuerlich lohnt der Blick ins Detail. Bei Verträgen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, ist die Auszahlung nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit in der Regel steuerfrei – ein klarer Vorteil dieser Altverträge. Wird ein solcher Vertrag verkauft, bleibt dieser Steuervorteil häufig erhalten, was den Verkauf zusätzlich attraktiv macht.
Bei jüngeren Verträgen ist der Ertragsanteil zu versteuern. Da der Verkauf der Lebensversicherung steuerlich komplex sein kann, sollten Sie vor einer Entscheidung Rückkaufswert, Kaufpreis und Steuerfolgen gemeinsam betrachten – im Zweifel mit Unterstützung eines Steuerberaters.
Verkaufen, kündigen oder behalten? Die richtige Entscheidung
Bevor Sie Ihre Lebens- oder Rentenversicherung verkaufen, sollten Sie alle Optionen nüchtern gegenüberstellen. Behalten lohnt sich, wenn der Vertrag einen hohen Garantiezins hat und Sie die Beiträge weiter tragen können – dann ist die Police eine wertvolle Altersvorsorge. Reicht das Geld nur vorübergehend nicht, ist die Beitragsfreistellung oft besser, als den Vertrag zu verkaufen.
| Ihre Option | Was Sie bekommen | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Verkaufen (Zweitmarkt) | oft mehr als der Rückkaufswert; der Todesfallschutz bleibt meist erhalten | ankaufsfähige Kapitallebensversicherungen ab ca. 10.000 € Rückkaufswert |
| Kündigen | nur den Rückkaufswert; ggf. Steuer und Verlust des Versicherungsschutzes | wenn der Vertrag nicht ankaufsfähig ist |
| Beitragsfrei stellen / ruhen lassen | Vertrag bleibt bestehen, jetzt keine Auszahlung | wenn Sie später wieder einzahlen möchten |
Wollen Sie den Vertrag dagegen endgültig auflösen und Liquidität gewinnen, ist der Verkauf der Lebensversicherung in den meisten Fällen die bessere Wahl. Gegenüber der Kündigung beim Versicherer, der nur den niedrigen Rückkaufswert zuzüglich der Zinsen zahlt, bleibt deutlich mehr übrig – einfach, weil der Kaufpreis über dem Rückkaufswert liegt. Als Verbraucher sollten Sie nie vorschnell handeln: Ein Vergleich von Rückkaufswert, Zweitmarktangebot und Beitragsfreistellung zeigt klar, welcher Weg für Ihren Vertrag am meisten herausholt.
Häufige Fragen zum Verkauf der Lebensversicherung
Kann ich meine Lebensversicherung verkaufen?
Ist der Verkauf besser als die Kündigung?
Wie viel bekomme ich beim Verkauf ausgezahlt?
Woran erkenne ich seriöse Anbieter?
Welche Alternativen gibt es zum Verkauf?
Bleibt der Todesfallschutz beim Verkauf erhalten?
Muss ich den Verkauf versteuern?
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